Hausboot Berlin: Berliner Luft mit Wasserspritzern

Hausboot Berlin
- Mit dem Hausboot zwölf Tage durch Spree-Athen und Umgebung
von Uwe C Schoop

Europas größtes zusammenhängendes Wassernetz mit rund 3.500 Seen und 6.700 Kilometern Wasser9strassen liegt rund um Berlin. Davon sind rund 1.300 Kilometer mit dem Hausboot befahrbar. Berlin, auch Spree-Athen genannt, besitzt mit über 200 Kilometern mehr Wasserwege als jede andere europäische Metropole und überflügelt mit 1.000 Brücken sogar Venedig. Das maritime Flair der deutschen Hauptstadt genießt man entspannt von Bord seines Hausboots, wenn man, wie wir, über Spree, Havel, Landwehr- und Teltowkanal, über Tegeler-, Wann- und Müggelsee schippert. Das moderne Regierungsviertel, die Museumsinsel, der Museumshafen, Tiergarten, Köpenick und der Müggelsee sind optische Höhepunkte der Hauptstadt vom Hausboot aus. Potsdam, Caputh, Werder und Ketzin laden mit zauberhaften Gewässern, Panoramen und Kulturdenkmälern zu einem zusätzlichen Abstecher ein.

Wir starten im Ruppiner Land in Rheinsberg am Grienericksee, um zunächst die romantische Mark Brandenburg mit ihren verträumten Seen und Kanälen zu genießen. Dazu empfiehlt sich als Vorlektüre das Werk des in Neuruppin geborenen Dichters Theodor Fontane („Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ). Unser komfortabeles, flaches und leicht zu manövrierendes Hausboot vom französischen Typ Tarpon 42 Prestige erhalten wir bei der Reederei Halbeck in Rheinsberg, gleich neben dem Schloss. Die Tarpon ist ein flaches Hausboot ohne hohe Aufbauten (4 x 12,50 Meter) und für die teilweise niedrigen Brücken auf unserem Törn Voraussetzung. Gebucht haben wir das Hausboot beim Eigner Revier-Charter über Bootsreisen Ventelou in Oberhausen.


Von Rheinsberg aus geht es zunächst mit Nordkurs zur Havel. Dann folgen wir dem Fluss zu Tal über den Ellbogen-, Ziern-, Menow- und Röblinsee bis Fürstenberg (sehenswert das ehemalige Frauen-KZ Ravensbrück). Weiter geht es auf der Havel über den Stolpsee und durch die Schorfheide nach Burgwall. Bei Mildenberg legen wir in der neuen Marina an und besuchen das Ziegeleimuseum. Noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir Zehdenick, passieren Schleuse und Hubbrücke, und machen am Sportbootanleger für die erste Nacht fest.

Der zweite Tag führt uns die letzten Kilometer auf der „Schnellen Havel“ bis zur Schleuse Liebenwalde. Hier endet das führerscheinfreie Gewässer. Wenige Minuten später biegen wir nach Steuerbord (Stb) in die Havel Oder Wasserstrasse (HOW) ein, um Berlin anzusteuern.

Hier treffen wir auf die Berufsschifffahrt mit langen und breiten Frachtschiffen und Schubverbänden. Da heißt es Abstand halten, denn zu nah am Heck eines Großen bringt uns sein Schraubenwasser leicht aus dem Kurs. Jetzt heißt es auch, mit dem Hand-GPS auf die erlaubten 9 km/h auf der HOW zu achten. Denn die Wasserschutzpolizei ist bei Geschwindigkeitsübertretungen ebenso streng wie ihre Kollegen auf der Strasse. Wir 2 überholen einen langsamen polnischen Schubverband von fast 200 Metern Länge an einer
breiten Stelle und mit weiter Sicht nach vorn. Die Aktion dauert sehr lange. Über Funk (Kanal 10) bitten wir den Skipper um Raum. Er willigt freundlich ein, geht hart an den Rand des Fahrwassers und verlangsamt sogar. Wir quälen uns langsam vorbei. Unser anschließendes Dankeschön über Funk ist Ehrensache. Fairplay auf dem Wasser ist wichtig.

Die erste Großschleuse ist Lehnitz, kurz vor Oranienburg. Über Kanal 18 melden wir uns als „Sportboot Ariadne, 12 x 4 Meter, zu Tal“ an und dürfen gleich hinter einem Frachter in die Kammer einfahren. Wir sinken sechs Meter. Ein Glück, dass wir eine schwarze Festmacherleine dabei haben, mit der wir mittschiffs umstecken. Eine weiße Leine wäre vermutlich unansehnlich geworden – so schmierig-schmutzig ist die Kammerwand.

Zwei Kilometer weiter im Lehnitz-See steuern wir an Stb das Bootshaus Dietrich an. Dort dürfen wir zwei Stunden festmachen, um das ehem. KZ Sachsenhausen in Oranienburg zu besichtigen.

Anschließend geht es weiter Richtung Hennigsdorf. Wir passieren das Stahlwerk, dessen Arbeiter am 17. Juni 1953 über Westberlin durch das Brandenburger Tor bis in die Stalinallee marschierten, um gegen zu hohe Arbeitsnormen zu demonstrieren. Daraus entwickelte sich der von den Sowjets blutig niedergeschlagene DDR-Volksaufstand. Wenige Kilometer dahinter passieren wir die Hennigsdorfer Lokomotivfabriken (einst AEG, dann Daimler-Chrysler, jetzt Bombardier), wo für Kunden in aller Welt Schienenfahrzeuge gebaut werden.


Bei HOW km 10,4 wird es wieder geschichtsträchtig. An Stb zweigt der 35 Kilometer lange Havelkanal ab. An Backbord (Bb) geht es durch eine provisorische Passage über die Berliner Stadtgrenze in den Niederneuendorfer See. Zur Linken der Passage ragen noch Aufbauten versenkter Frachter aus dem Wasser. Mit diesen Wracks sperrte die DDR einst einen „Fluchtweg“ nach West-Berlin. Frachtschiffe mussten damals anstelle der durch West-Berlin führenden Havel den Havelkanal nutzen, den die DDR im Jahr 1952 nach 13-monatiger Bauzeit zur Umfahrung West-Berlins gebaggert hatte. Er mündet bei Paretz in die Untere Havel Wasserstrasse (UHW), die dort wieder im Havelbett verläuft und
westwärts nach der Elbe-Querung in den Mittellandkanal übergeht.

Obwohl wir nach Berlin wollen, fahren wir noch kurz in den Havelkanal, um wenige hundert Meter weiter links dem toppmodernen Yachtcentum Nordwest in Hennigsdorf-Niederneuendorf einen Besuch abzustatten. Vor dem Restaurant Skipper legen wir an. Hier gibt es bei strahlender Oktoberabendsonne alles, was das Herz begehrt – Kaffee, Kuchen und Eis, Berliner Weiße, Aal und Eisbein. Wir könnten als Gäste gratis bis zum nächsten Morgen vor dem Restaurant liegen bleiben. Aber wir wollen noch nach Berlin.

Also zweihundert Meter zurück, dann nach Stb durch die Passage nach Berlin und weiter auf der Havel (12 km/h) gen Süden. Wir passieren die zauberhaften Uferanlagen von Heiligensee, bewundern das Panorama von Konradshöhe, erreichen die Fahrwasserenge von Tegelort, um vor Valentinswerder nach Bb in den Tegeler See einzubiegen. Welch eine Ruhe, welch ein 3 Bild! Langsam tuckern wir auf den Ort Tegel zu. Links und rechts von uns schießen künstliche Geysire armdicke Wasserfontänen in die Luft – ein faszinierendes Schauspiel eines komplizierten Systems, das den See mit Sauerstoff versorgen und vor dem Umkippen bewahren soll.

Am NO-Ufer entdecken wir das Zeichen Gelbe Welle (Gastliegereinladung in Brandenburg und Berlin) am Anleger des SFV Wetterfest. Hier können wir übernachten: mit Landstrom, Frischwasser, Dusche und WC für einen Euro pro Meter Schiffslänge. Es wird eine langer und feuchter Abend beim Bummel durch Alt-Tegel mit handfestem Essen und Berliner Weiße.

Am dritten Tag starten wir früh gen Süden bis kurz hinter Valentinswerder, wo wir links in den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal einbiegen. Industrieanlagen und Großstadtlärm sind jetzt unsere Begleiter. Vorbei am Flughafen Tegel erreichen wir nach elf Kilometern den Westhafen. Hier müssen Sportboote nach rechts in den Westhafenkanal (8 km/h) abbiegen. Doch schon drei Kilometern weiter können wir links in den Landwehrkanal (9 km/h) einfahren. Es wird wieder lieblich. Rechts zieht der Schlosspark von Charlottenburg vorbei. Nach wenigen Minuten machen wir an Stb an einem der neuen Anleger für Sportboote (24h) fest und besuchen Schloss und Café. Die Crew benötigt Kultur, Capuccino und Espresso. Diese neuen Anleger sind übrigens für 24 Stunden kostenlos und ein Geschenk des Berliner Senats an Wassertouristen. Man erkennt auch sie am Zeichen Gelbe Welle – einem gezackten gelben Pfeil.

Hausboot Berlin: Berlin Mitte


Schon nach einem Kilometer können wir links in die Spree mit ihren Bögen durch Tiergarten und Berlin-Mitte einbiegen. Jetzt möchte jeder fotografieren und keiner Rudergehen. Berauschend die neuen Bauten nach Wende und Wiedervereinigung mit ihren teilweise gewagten und gigantischen Architekturen: der noch im Bau befindliche Hauptbahnhof (ehem./Anhalter Bahnhof) – wohl eine der größten Umsteigestationen Europas; das Schloss Bellevue – Sitz des Bundespräsidenten; die Kongresshalle – von den Berlinern auch „Schwangere Auster“ genannt; das Haus der Kulturen der Welt; das imposante neue Kanzleramt mit dem Sitz der Bundesregierung; der Reichstag; der Palast der Republik (wird entkernt und zurückgebaut); die Museumsinsel, und das Nikolaiviertel. Wir fahren hin und her, um jedem an Bord eine Fotografier- und Videochance zu geben. Der jeweilige Mann / die Frau am Ruder des Hausboots in Berlin muss höllisch aufpassen, nicht mit einem der vielen Fahrgastschiffe zu kollidieren, die es mit den Wasserstraßenregeln hier nicht immer genau nehmen. Wir machen für die Nacht an der „Gelben Welle“ an der Friedrichstrasse fest. Den Rest des Tages verbringen wir mit einem ausgedehnten Bummel durch Berlin Mitte: Unter den Linden, Brandenburger Tor, Reichstag, Holocaust-Gedenkstätte, Komische Oper, Gendarmenmarkt, Alexanderplatz, Hackesche Höfe und die Oranienburger Strasse (Berlin) mit Synagoge und der Berliner Szene sind die Ziele. Auf der Friedrichstrasse wollen die Damen noch Shoppen. Den Absacker genehmigt sich die Crew in der Ständigen Vertretung, einer Promi- und Kölsch-Bier-Kneipe direkt an der Spree, am Schiffbauer Damm.

Hausboot Berlin
Der vierte Tag beginnt mit strahlender Herbstsonne. Wir haben ruhig, unbelästigt und ohne Schwell geschlafen. Perfekt. Nach einem weiteren Shoppingbummel der Borddamen auf der Friedrichstrasse legen wir ab und tuckern langsam zur Mühlendammschleuse. Hinter der Kammer biegen wir nach Stb in den Museumshafen, bewundern die dort liegenden Oldtimer und fahren langsam unter tiefen Brücken in den Spreekanal, um vor der dritten Brücke an Bb an der nächsten „Gelben Welle“ festzumachen. Zu Fuß tippeln wir ins Nikolaiviertel . Im Museum Ephraim-Palais genießen wir die Ausstellung „Von Liebermann zu Pechstein“. Das gemeinsame Abendessen gibt es an Bord. Unser Smutje hat hervorragend gekocht.

Am fünften Tag tuckern wir mit dem Hausboot wieder zurück zur Spree, fahren zu Berg durch die Industriebrachen des Osthafens bis wir nach 30 Minuten hinter der Mühlendammbrücke an Stb in den Landwehrkanal (8 km/h) einbiegen. Schnell haben wir die Oberschleuse (nur 0,2 Meter Hub) passiert und gleiten dann durch Neukölln bis zum Urbanhafen in Kreuzberg. Hier machen wir an einem Restaurant-Hausboot fest und besuchen zu Fuß das nahe gelegene Jüdische Museum und den Checkpoint Charly mit ihren beeindruckenden Erinnerungen an die „braune“ und „rote“ deutsche Vergangenheit. Zurück im Urbanhafen und nach einem erfrischenden Snack auf dem Restaurant-Hausboot tuckern wir weiter bis Tiergarten zur Unterschleuse (1,3 m Hub) an der Strasse des 17. Juni - links und rechts begleitet vom multikulturellen, urbanen, grünen und quirligen Leben der Hauptstadt – und biegen in Charlottenburg erneut rechts in die Spreebögen ein. Zu imposant ist diese Strecke durch das neue Berlin. Jedes Hausboot-Crewmitglied möchte noch Fotos machen. Und welch Wunder: Unser Liegeplatz an der Gelben Welle Friedrichstrasse ist frei. Wir bleiben über Nacht und genießen die urbane Abendstimmung.


Der sechste Tag führt uns über die Mühlendammschleuse weiter gen Osten. Wir passieren die Skulptur „molecul man“ - zwei Figuren, die wie von Kugeln durchsiebt hoch aus dem Wasser ragen, die Insel der Jugend, die Einfahrt zum Rummelsburger See, Treptow und Oberschöneweide, bis wir Köpenick erreichen. Hier biegen wir in die Dahme ein und machen hinter der Schlossinsel im Frauentrog an der „Gelben Welle“, gleich neben der Solartankstelle, fest. An dieser Tankstelle können Elektroboote mit Solarstromantrieb für einen freien Ausflug über den Müggelsee gemietet werden. Motoryachten dürfen den Müggelsee nur im engen Fahrwasser queren und weder links noch rechts abweichen – es sei denn, man hat einen festen Liegeplatz am Ufer. Die Traditionsgasstätten Rübezahl und
Müggelseeperle können nur von Elektro-, Segel- und handgetriebenen Booten angelaufen werden. Zu Fuß begrüßen wir den Hauptmann 5 von Köpenick, der als historische Figur vor dem Rathaus steht. Empfehlenswert ist auch ein Abstecher in eine Nebenstrasse des Rathauses, um in der Kneipe Quartier der Hauptmanngarde ein Bier zu trinken und sich vom Wirt Details und Hintergründe über das Husarenstück von Schuster Voigt erzählen und zeigen zu lassen.

Weiter geht es die Dahme zu Berg bis kurz vor Grünau, wo wir nach Stb in den 38 km langen Teltowkanal (8 km/h) einbiegen. Dieser wurde um 1900 unter Kaiser Wilhelm II. gebaut und ist die kürzeste Verbindung zwischen Müggelsee und Großem Wannsee. Der Kanal führt uns zunächst zwischen einer neuen Autobahn an Stb mit einer aufwändigen Schall- und Sichtblende aus Edelhölzern (so sieht es aus) sowie Industrieanlagen an Bb kilometerlang nach Westen bis wir Neukölln erreichen und wieder von hübschem Grün eingerahmt werden. Weiter geht es an Britz, Tempelhof, Lankwitz, Steglitz, Lichterfelde, Zehlendorf und Teltow
vorbei zur imposanten Schleuse Kleinmachnow, wo es 2,7 Meter bergab geht. Nach weiteren 3,5 Kilometern erreichen wir den zauberhaften Griebnitzsee und biegen nach Stb in den nicht minder romantischen Griebnitzkanal (5 km/h) ein. Hier herrscht wechselnder Einbahnverkehr: in unserer Richtung ist die Durchfahrt zu jeder halben Stunde zwanzig Minuten lang erlaubt. Umgekehrt darf man zu jeder vollen Stunde zwanzig Minuten lang fahren. Eine sehr gewöhnungsbedürftige Regelung. Wir passieren den Stölpchensee, gefolgt vom Pohle See (8 km/h) und dem Kleinen Wannsee. Nach der Wannseebrücke öffnet sich der imposante Große Wannsee (25 km/h). Wir sind von den Tageseindrücken ermüdet und steuern einen Gelbe Welle-Steg beim Potsdamer Yacht-Club an. Für stolze 19 € mit Landstrom, Wasser, Dusche/WC - und kräftigem Schwell dürfen wir übernachten.

Die Crew will vorher noch mal in die City – die Damen bis 20 Uhr ins Edelkaufhaus KaDeWe am Wittenbergplatz. In der nahegelegenen S-Bahnstation Wannsee kaufen wir pro Kopf eine Tagesnetzkarte des ÖNV Berlin für 5,80 €. Die Investition lohnt sich. Es wird eine lange und unvergessliche Nacht in der Hauptstadt. Der siebte Tag beginnt mit Nebel. Also Navi-Lichter an, nach oben an den Freiluft-Steuerstand, und mit acht Augen die Rote Tonne „WA3“ suchen, von der wir uns dann, dicht unter Land, auf der Havel bis zur Pfaueninsel vortasten. Wir lassen die Insel an Stb liegen, passieren mit den vorgeschriebenen 5 km/h die Enge an der Inselsüdspitze, schleichen weiter bis Krughorn und erkennen an der Südspitze des Jungfern Sees schemenhaft die berühmtberüchtigte Glienicker Brücke (erbaut 1907, von der DDR „Brücke der Einheit“ genannt, und bis zur Wende nur von den Siegermächten, auch zum Agentenaustausch, genutzt). Wir haben wieder Sicht, sind in Potsdam und steuern im Tiefer See eine aldi-Filiale mit eigenem Bootssteg zum Catern an.

Hausboot Berlin
Anschließend geht es bei strahlender Sonne mit dem Hausboot zurück in den Jungfern See, wo wir unterhalb vom Schloss Cecilienhof an einem Gelbe Welle-Anleger festmachen. Zu Fuß besuchen wir das Schloss. Es entstand zwischen 1913 und 1917 unter Leitung des Architekten Paul Schultze-Naumburg im englischen Landhausstil als Wohnsitz für die Familie des letzten Kronprinzen des Deutschen Reichs Wilhelm. Benannt wurde das Schloss nach dessen Frau Cecilie. International bekannt wurde es durch die Potsdamer Konferenz anno 1945, als die Siegermächte auf Einladung von Stalin das 6 Nachkriegsschicksal Deutschlands besiegelten. Im Schlossrestaurant schauen wir nicht auf Euro und Cent und lassen uns angemessen verwöhnen.

Weiter geht es zu Tal im Sacrow-Paretzer-Kanal (9 km/h) durch den Weißer- und Schlänitz See bis zur Autofähre Ketzin, hinter der wir an Stb am Restaurant an der Fähre für fünf Euro die Nacht einen ruhigen und schönen Liegeplatz finden. Bei den Wirtsleuten Jana und Sascha Zeine gibt es süffiges Schwarzbier und einen herrlichen Blick auf die Untere Havel.

Der achte Tag beginnt mit einem Fußmarsch zum Schloss Paretz, dem einstigen Sommersitz des preußischen Königs Friedrich-Wilhelm III. und seiner Gemahlin Königin Luise. Das Schloss ist Bestandteil einer der schönsten klassizistischen Dorfanlagen Brandenburgs. Zur Ausstattung aus der Zeit um 1800 gehören die berühmten Paretzer Tapeten, die in neuem Glanz erstrahlen.

Nach einem Salat bei Familie Zeines legen wir mit dem Hausboot wieder ab, fahren einen Kilometer Richtung Berlin zurück und biegen kurz vor dem Naturreservat Göttin See rechts in die romantische 30 Kilometer lange Potsdamer Havel (12 km/h) ab. Sie ist nach Fertigstellung des Sacrow-Paretzer-Kanals anno 1876 von der Berufsschifffahrt kaum noch genutzt und ein Eldorado für Freizeitkapitäne. Zwischen Schilfgürteln und ankernden Freizeitbooten folgen wir kilometerlang den Kurven des Flusses bis wir den Großen Zernsee und anschließend die romantische Inselstadt Werder erreichen. Am Arielle Fischrestaurant machen wir fest, kaufen Aal und andere Havel-Fische aus dem Rauchfang, kosten vom hier angebauten nördlichsten Wein in der EU und bummeln durch die winkligen Gassen.
Hausboot Berlin
Weiter geht es mit dem Hausboot nach Süden bis wir an Stb die schmale Durchfahrt in den Glindowsee erreichen. Dort fahren wir langsam bis zum südlichsten Punkt bei Petzow, wo wir an einer wackeligen Brücke eines Jugendzentrums ohne Landstrom und Wasser, dafür aber ohne Kosten, übernachten dürfen.

Am neunten Tag verlassen wir wieder den Glindowsee, fahren die Potsdamer Havel zu Berg bis in den Schwielowsee und bewundern an Stb das gigantische und komfortable Ressort Schwielowsee mit dem 4 Sterne plus Hotel Seaside Garden, 130 Gästezimmern, Restaurants, Tagungs- und Banketträumen, einem 800 m² großen Wellnessareal und einer großen Marina. Hier könnte man Urlaub verbringen, flüstern die Damen an Bord. Die Herren greifen nervös an die Brieftasche.

Exakt auf dem grünen Tonnenstrich (links und rechts drohen böse Flachs) steuern wir den Stichkanal von Caputh an (sehenswert dort das Einstein-Haus und das Schloss), queren den Templiner See, tanken Diesel auf dem Kiewitt an der Querseilfähre und erreichen mittags die Freundschaftsinsel von Potsdam, wo wir mit Genehmigung der Weißen Flotte zwei Stunden liegen dürfen. Wir nutzen die Zeit für einen kleinen Stadtbummel (auf die Schnelle sehenswert sind: Holländisches Viertel, Barockes Rathaus, Nikolaikirche und evtl. das Filmmuseum). Anschließend verholen wir in die Vorderkappe zur Bootswerft Marchot, dem neuen Stützpunk der Revier-Charter-Flotte in Potsdam. Hier erhalten wir Landstrom, tanken Frischwasser und übernachten.

Der zehnte Tag führt uns noch einmal zu aldi am Tiefer See. Wir benötigen Sprudel, Säfte und Bier. Dann geht es unter der Glienecker Brücke zurück nach Berlin. Wir fahren auf der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze durch den Jungfern- und Kladower See (25 km/h). Ein hat. Zwischen Kladow (links) und Schwanenwerder geht es auf der breiten Havel zu Berg weiter nach Norden. Kilometerlang zieht der Grunewald (mit dem 96,9 Meter hohen Havelberg) an Stb vorbei bis wir kurz hinter Gatow die Ansteuerungstonnen der Spandauer Havel (12 km/h) und die Schleuse Spandau (Hub 2,8 Meter) neben Juliusturm und Zitadelle erreichen. Nach einer schnellen Schleusung passieren wir die Spandauer City und biegen hinter Valentinswerder nach Stb ab, um wieder in den Tegeler See zu fahren und beim SFV Wetterfest erneut eine Nacht zu liegen. Wir fühlen uns hier jetzt fast wie zu Hause.

Am elften Tag beginnt unsere Rückfahrt nach Rheinsberg. Wir schaffen es bis kurz hinter der Selbstbedienungs-Schleuse Zaaren in der Schorfheide und machen am Sportbootanleger fest. Die Nacht ist sternenklar, kalt und ruhig. Besucher, außer Rotwild, Wildschweinen und Waschbären, sind nicht zu erwarten, da wir uns hier inmitten eines ehemaligen Truppenübungsplatzes der Roten Armee befinden, der wegen Blindgänger nicht betreten werden darf.

Der zwölfte und letzte Tag führt uns über Schleuse Bredereiche und den Stolpsee nach Fürstenberg und von dort über den Röblin-, Ziern-, Ellbogen- und Pälitzsee sowie den Hüttenkanal zurück in die Rheinsberger Gewässer und zur Ausgangsbasis am Schloss.

Es fällt uns schwer, unsere liebgewonnene Yacht „Ariadne“ zu verlassen. Bei Rotwein und einem letzten Drei-Gänge-Menu aus der Bordküche beschließen wir: Berlin ist eine weitere Reise mit dem Hausboot wert!

(Quelle: Das Charter Magazin 2006, „Charter Horizonte“, SVG Service Verlag, Lübeck)


Themenreise



Geniessen Sie unsere Gruppen-Themenreise "Berlin und Brandenburg mit Wasserspritzern - Im Hausboot zu den Höhepunkten der deutschen Geschichte".


 
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